Tagebuch einer Mutter - Also das hab ich hinter mir!

Schwitzend sitze ich hier an meinem Schreibtisch. Nicht weil ich gestresst bin. Es sind die über 30 Grad in diesem kleinen Zimmer, die mich mürbe machen. Das Thermometer an meiner Wand zeigt mir erbarmungslos, was mein Körper sowieso schon transpiriert. Keine Position die ich einnehme macht es besser. Jede Position birgt neue Schweißflüsse aus meinem Körper. Ich sollte diese Flüsse brav mit Wasser wieder auffüllen, aber ich bin nicht brav. Heute nicht. Ich trinke Weißwein. Trockenen Grauburgunder um genau zu sein. Der Wein macht mir das Wetter etwas angenehmer. Wobei an diesem Wetter eigentlich gar nichts angenehm ist.

Es ist einer dieser Abende wo ich etwas Zeit finde, mich mehr mit meinem Innenleben zu beschäftigen. Meistens habe ich so viel anderes zu tun, dass ich die Gefühle die tiefer in mir drin, fast verborgen, wohnen, gar nicht spüre. Sie kratzen nur an dieser dicken, zentimeterdicken Scheibe, die der Alltag sorgsam aufgebaut hat. Bis hier hin und nicht weiter. Heute Abend ist diese Scheibe etwas durchlässig geworden. Deswegen sitze ich hier. Weinselig und vergnügt über meine eigenen Gedanken. Ich bin ja immer noch auf der Suche nach mir selbst. Mit 47. Aber wieso sollte ich zum Teufel nochmal auch aufhören zu suchen. Ich weiß, dass ich facettenreich bin. Eine Facette ist z.B. diese, das ich mich immer kleiner mache, als ich mich machen sollte. Mittlerweile weiß ich das. Ich wollte immer bescheiden sein. Keinen Raum einnehmen, weil ich dachte, dieser Raum steht mir nicht zu. Weil ich eben...nichts bin. 

Ich bin das Produkt einer Kindheit, wo das Kind gelernt hat, dass es niemanden gibt, der dich in schwierigen Zeiten auffängt. Um es herunter zu brechen: mein Selbstbewusstsein ist quasi nicht existent. Aber blöd bin ich jetzt auch nicht. Ich weiß schon, dass an mir nicht alles falsch ist. Ich zerdenke Situationen und Möglichkeiten einfach nur mehr als andere. Und eventuell blockiere ich mich damit auch hin und wieder mehr als gut für mich wäre. Jetzt mit 47 werden mir immer mehr Dinge bewusster. Ich verstehe mich immer besser. Was aber nicht heißt, dass ich mich in Situationen, die ich schwierig finde, nun besser verhalten kann. Aber "Learning by doing". 

Spannend finde ich gerade dieses Thema: Partner haben oder einfach mal sein lassen diesen Quatsch. Natürlich wünsche ich mir jemanden mit dem ich mich über Gott und die Welt unterhalten möchte und kann. Tausendhundertprozentig ja! Und ja, ich möchte auch jemanden den ich mal in den Arm nehmen kann oder umgekehrt. Nähe ist was Feines. Und dann kommt das fette ABER! Denn wie soll ich denn nach all den Erfahrungen die ich gemacht habe, jemanden finden, der mir jetzt noch passt? Die meisten haben doch ganz andere Ansprüche als ich mittlerweile. Manchmal frage ich mich, ob ich die Antwort in einer Partnerin finden könnte. Vielleicht habe ich bisher immer an der falschen Stelle gesucht. Vielleicht liegt mein Seelenfrieden nicht in den Armen eines Mannes, sondern in den Augen einer Frau.

Wir wollen alle glücklich sein. Und hoffentlich wissen alle, dass Glück kein Dauerzustand ist. Glück zeigt sich mit einem Paukenschlag oder ganz schüchtern und klopft leise an, um sich bemerkbar zu machen. Lass es die Wechseljahre sein, es ist mir egal, ich bin aktuell nur einfach so sensibel was Glück angeht. Ich bin gerade einfach so demütig gegenüber der Existenz. Und dankbar. Dankbar für all die wunderbaren Momente die ich allein mit mir und mit anderen Menschen erfahren darf. Ständig muss ich bei emotionalen Dingen heulen. Also romantische Filme sind gerade der Endgegner für mich. (Ich lache - und vielleicht weine ich auch ein bisschen) 

Jetzt sitze ich hier lese die geschriebenen Zeilen, lese nochmal die Überschrift und denke: Wieso wählte ich nochmal diese Überschrift?? Ich vermute es war der Gedanke des ernsthaften Partnersuchens. Denn. ich suche nicht mehr. Es reicht mir. Dating-Apps sind mir zuwider. Dating ist mir zuwider. Immer die gleiche Laier ist mir zuwider. Feststellen, dass er doch nicht so toll ist, ist mir zuwider. Enttäuscht werden ist mir zuwider. Und ich glaube, dass all meine Erfahrungen aus meiner Kindheit mir die Partnersuche verderben. Falsche Muster die ich verinnerlicht habe, sorgen dafür, dass ich mich immer für den falschen Menschen entscheide. Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Tz...als sei die Partnersuche oder die Partnerfindung das Lebensziel überhaupt. Aber wir kennen es auch nicht anders. Wir leben in einer Gesellschaft, die noch verinnerlicht hat, dass man nur zu zweit (über)leben kann. Ich finde, wir müssen uns davon lösen. Was wir brauchen sind Freunde. Und Familie. Das sind die zwei Säulen die dich bis zum Ende begleiten (können). Im Idealfall ist dein Partner auch dein Freund. Ein Mensch wo du einfach du sein kannst und du dich niemals falsch fühlst. Wir sollten Schluss machen mit falschen Beziehungen. Beziehungen die uns nicht gut tun. Beziehungen die wir nur halten, damit wir nicht allen sind. Nein. Hört auf damit. 

Und dann gibt es noch diese Paare die wirklich was Gutes haben. Wow. Ich bewundere das. Ich respektiere das. Ich feiere das. Ihr macht das großartig. Macht so weiter. Ihr macht es richtig. Zweifelt nicht an euch. Zieht es durch. Denn ihr hattet das Glück jemanden zu finden, der mit eurer Seele im Einklang ist. Euer bester Freund geworden ist. Was gibt es schöneres?!

Ich verbittert? Ach komm schon. Nur weil ich nicht mehr daten möchte? Weil ich vielleicht eine Partnerin wählen möchte? Nein. Ich bin nicht verbittert. Ich bin erfahrungsreich. Oft gescheitert und habe viele Tränen geweint. Nicht zwingend um meinetwillen. Ich weinte, weil ich die Schönheit in dieser Welt sah, die viele ignorieren. Mein Herz blutet bei all dem Egoismus in dieser Welt...oh ich merke gerade das ich abdriften möchte. Das lassen wir heute lieber. Es ist 21:34 Uhr...Zeit für ne Dusche. All der Schweiß des heutigen Tages möchte weggewaschen werden. Was ich eigentlich mit all dem sagen wollte? Hört auf euer Herz und euren Bauch, die haben oft Recht. Und seid mutig. Habt den Mut das zu leben, was sich für euch richtig anfühlt. Dieses Leben kann so schön sein, lasst es euch nicht nehmen. 



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